Snoezeln nach den Sommerferien
Nach einer intensiven Zeit, wie dem Übergang von den Sommerferien zurück in die Schule, zur Arbeit oder in die Tagesförderung, sind viele Menschen mehr Reizen als gewöhnlich ausgesetzt. Für Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung (SMB), Autismus, ADHS oder Demenz kann dies zu Reizüberflutung, Anspannung und Unruhe führen. Snoezeln ist eine niedrigschwellige und bewährte Methode, um Reize zu regulieren und wieder Ruhe, Sicherheit und Entspannung zu schaffen.
Was ist Snoezeln?
Der Begriff Snoezeln setzt sich aus den niederländischen Wörtern snuffelen (die Sinne behutsam anregen) und doezelen (entspannen und zur Ruhe kommen) zusammen. Beim Snoezeln werden in einer kontrollierten und sicheren Umgebung sanfte, vorhersehbare Sinnesreize wie Licht, Klang, Düfte, Berührungen und Bewegung angeboten. Ziel ist es nicht, zu lernen oder Leistungen zu erbringen, sondern das Reizniveau zu regulieren, Entspannung zu fördern sowie Kontakt und Interaktion zu ermöglichen.

Was zeigen wissenschaftliche Studien?
Studien zum Snoezeln (auch als multisensorische Stimulation bezeichnet) zeigen insgesamt positive Effekte. Die wissenschaftliche Evidenz unterscheidet sich jedoch je nach Zielgruppe und Studie.
- Menschen mit Demenz: Verschiedene Studien zeigen, dass gezielte Snoezel-Sitzungen sowohl während als auch kurz nach der Anwendung zu weniger Unruhe und einer verbesserten Stimmung beitragen können.
- Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung (SMB): Kleinere Studien und Praxisuntersuchungen beschreiben häufig eine stärkere Entspannung, mehr nonverbale Kommunikation sowie eine Verringerung von Unruhe und herausforderndem Verhalten.
- Menschen mit Autismus: Vorhersehbare und strukturierte multisensorische Reize können dabei helfen, Reizüberflutung zu regulieren und die Beteiligung an Aktivitäten zu fördern. Eine individuelle Anpassung bleibt dabei unerlässlich.
- Menschen mit ADHS: Es gibt Hinweise darauf, dass kurze multisensorische Pausen und gezielte sensorische Reize die Konzentration und Selbstregulation fördern sowie Unruhe verringern können.
Mehr über Snoezeln
Die Sinne hinter dem Snoezeln
Snoezeln spricht mehrere Sinne gleichzeitig an. Jeder Sinn trägt auf seine eigene Weise dazu bei, Reize zu regulieren und eine beruhigende Umgebung zu schaffen.
Snoezeln ist vielseitig einsetzbar und wird an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer angepasst.
Kurz zusammengefasst
Snoezeln ist eine praktische und vielseitig einsetzbare Methode, um Reize zu regulieren und das Wohlbefinden zu fördern. Durch die Anpassung der Umgebung und der sensorischen Reize an die individuellen Bedürfnisse kann Snoezeln zu mehr Ruhe, Entspannung und Kontakt beitragen. Dadurch stellt Snoezeln eine wertvolle Ergänzung in der Pflege, im Bildungsbereich und im häuslichen Umfeld dar.
Snoezeln spricht mehrere Sinne gleichzeitig an. Jeder Sinn trägt auf seine eigene Weise dazu bei, Reize zu regulieren und eine beruhigende Umgebung zu schaffen.
- Sehen: Sanftes, langsam bewegtes Licht, beispielsweise durch eine Blasensäule, einen Projektor oder Faseroptik-Stränge, sorgt für visuelle Ruhe, Vorhersehbarkeit und einen ruhigen Fixpunkt.
- Hören: Ruhige Musik oder Naturklänge können die Entspannung fördern, während geräuschdämpfende Kopfhörer helfen können, Reizüberflutung zu verringern.
- Fühlen (Tastsinn): Unterschiedliche Oberflächenstrukturen und weiche Materialien vermitteln Geborgenheit, fördern den Tastsinn und laden zu einer sicheren Erkundung ein.
- Riechen: Milde, vertraute Düfte können Gefühle der Vertrautheit und Entspannung hervorrufen. Düfte sollten stets sparsam eingesetzt werden und nur dann, wenn sie gut vertragen werden.
- Propriozeption (Körperwahrnehmung): Tiefer Druck, beispielsweise durch eine Gewichtsdecke oder ein Beschwertes Kuscheltier, kann das Gefühl von Sicherheit, Stabilität und Körperbewusstsein stärken.
- Vestibuläres System (Bewegung und Gleichgewicht): Ruhige, kontrollierte Bewegungen, wie sanftes Schaukeln oder die Nutzung eines Multifunktionalen Tastkissens, können dabei helfen, Aufmerksamkeit und Anspannung zu regulieren.
Die Kombination mehrerer Sinnesreize, beispielsweise sanftes Licht in Verbindung mit einem beschwerten Kuscheltier, kann wirksamer sein als die Anwendung eines einzelnen Reizes. Die Intensität und Kombination der Reize sollten stets an die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Person angepasst werden.
Snoezeln ist vielseitig einsetzbar und wird an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer angepasst.
- Schwere Mehrfachbehinderung (SMB): Der Schwerpunkt liegt häufig auf taktilen und propriozeptiven Reizen, die Entspannung, Körperbewusstsein und nonverbale Kommunikation unterstützen.
- Demenz: Vertraute visuelle und akustische Reize, wie bekannte Musik oder beruhigende Projektionen, können zu einem Gefühl von Sicherheit, Vertrautheit und Ruhe beitragen.
- Autismus / Hochsensibilität: Vorhersehbare und kontrollierbare Reize ohne plötzliche Geräusche oder grelle Lichtblitze helfen, Reizüberflutung zu vermeiden.
- ADHS: Kurze, gezielte sensorische Reizphasen können die Konzentration, Selbstregulation und Aufmerksamkeit unterstützen.
- Snoezelraum: Ein fest eingerichteter Raum für begleitete Snoezel-Sitzungen.
- Comfort Room oder Ruheecke: Ein leicht zugänglicher Ort für kurze Entspannungsmomente zwischen verschiedenen Aktivitäten.
- Mobile Lösungen: Ein Snoezelwagen oder ein Snoezelzelt ermöglicht den flexiblen Einsatz von Snoezeln im Klassenzimmer, auf einer Station oder in der Tagesförderung.
- Zu Hause oder unterwegs: Auch mit einem kompakten Set, beispielsweise einem Projektor in Kombination mit einem taktilen Hilfsmittel, lässt sich eine beruhigende Snoezel-Umgebung schaffen.
Kurz zusammengefasst
Snoezeln ist eine praktische und vielseitig einsetzbare Methode, um Reize zu regulieren und das Wohlbefinden zu fördern. Durch die Anpassung der Umgebung und der sensorischen Reize an die individuellen Bedürfnisse kann Snoezeln zu mehr Ruhe, Entspannung und Kontakt beitragen. Dadurch stellt Snoezeln eine wertvolle Ergänzung in der Pflege, im Bildungsbereich und im häuslichen Umfeld dar.
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